03.02.2018: Cottbus Calling!

In der südbrandenburgischen Kleinstadt Cottbus kocht die Stimmung. Seit Mai 2017 spitzt der rechte Verein „Zukunft Heimat“ aus Golßen die Gewaltspirale in der Stadt agitatorisch zu, in dem sie Auseinandersetzungen zwischen deutschen Jugendlichen und Geflüchteten für ihre rassistische Hetze instrumentalisiert. Doch die Rassist*innen, Stadt und Medien sehen häufig nur die Geflüchteten als Schuldige, wenn auch die Angriffe oft von rassistischen Zurufen, Pöbeleien und Beleidigungen begleitet sind. Nun droht Cottbus ein Zentrum der völkischen Kampagne des „1 Prozent“ Netzwerks zu werden, die auf derartige Anlässe nur gewartet hat. [1]

Nach außen präsentiert sich „Zukunft Heimat“ als „harmlose“ Bürger*inneninitiative. Doch immer wieder weisen Recherchen darauf hin, dass der Verein enge Verbindungen zur verbotenen „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“, die maßgeblich für die „Spreelichter“-Kampagne verantwortlich war, pflegt. [2] Darüber hinaus schafft es „Zukunft Heimat“ das gesamte rassistische Spektrum in Cottbus zu vereinen: Oma, Opa und Hans Peter marschieren hier in einer Reihe mit gewaltbereiten Hooligans der aufgelösten Ultra-Gruppierung „Inferno Cottbus“, organisierten Neonazis, lokalen NPDler*innen, Think-Tanks der Neuen Rechten um die Crowdfunding-Campagne „1 Prozent“, den faschistischen „Identitären“ bis hin zu hohen Funktionären der Brandenburger AfD. Nicht umsonst erreichte die AfD zur Bundestagswahl in Cottbus 26,8% und wurde stärkste Partei in der Stadt. [3]

Immer wieder kommt es im Nachgang der Demonstrationen von „Zukunft Heimat“ zu Übergriffen gegen Geflüchtete und andere Personen, die nicht das menschenverachtende Bild der Rassist*innen und Neonazis passen. Erst vor kurzem wurden zwei Journalist*innen auf der Demonstration von Zukunft Heimat am 20.01.2018 angegriffen und weitere vom Redner*innenpult aus angefeindet.[4] Der Fall erregte überregionale Aufmerksamkeit. Erst einen Tag vor der Kundgebung am 20.10.2018 verhängte der Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) ein Aufnahmestopp für Geflüchtete in Cottbus. [5] Ein fatales Signal, was dem rassistischen Diskurs nicht nur weiteren Aufwind bringt, sondern auch ein Erfolgskonzept belegt, wonach die Politik dem Mob auf der Straße nachgeben könne, wenn die Gewalt auf der Straße expoldiert. Dabei zählt Cottbus schon seit Jahren zu einem Hotspot der rechten Szene und ist Spitzenreiter, was rassistischer Gewalt in Brandenburg angeht. [6]

Doch Cottbus ist mehr als nur ein braunes Nest in der südbrandenburgischen Provinz. Hier gibt es eine Palette von unterstützenswerten Projekten uns es regt sich Protest gegen „Zukunft Heimat“. Um 11 Uhr findet am Sonnabend, 03.02.2018, unter dem Motto „Leben ohne Hass“ eine Demonstration von Geflüchteten, die durch das örtliche Bündnis „Cottbus Nazifrei“ unterstützt wird, in Cottbus statt. [7] Und auch zum Aufmarsch von „Zukunft Heimat“ gegen 14 Uhr sind weitere Proteste in Hör- und Sichtweite geplant.

Wir rufen alle Antifaschist_innen und Antirassist_innen auf, nach Cottbus zu kommen und die Proteste gegen „Zukunft Heimat“ zu unterstützen. Cottbus darf nicht vor dem rassistischen Mob einknicken – es geht nicht nur um die Sicherheit und Lebensqualität der dort lebenden Menschen, sondern auch darum, einen bundesweiten Schwerpunkt rassistischer Mobilisierung einzudämmen.

Es gibt kein ruhiges Hinterland!
Antifa heißt Landarbeit!

Kommt nach Cottbus und unterstütz die lokalen Geflüchteten und Antifaschist*innen!

Zugtreffpunkt:
Alexanderplatz 09:20, Gleis 2, Abfahrt 09:42
Ostkreuz 09:30, Gleis 1, Abfahrt 09:51

Demonstration
11 Uhr | Altmarkt Cottbus

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[1] http://www.inforiot.de/leben-ohne-hass-demonstration-am-3-februar/
[2] http://www.inforiot.de/zukunft-heimat-demos-fixpunkt-der-cottbusser-naziszene/, http://www.inforiot.de/hinter-den-kulissen-von-zukunft-heimat
[3] https://www.rbb24.de/politik/wahl/bundestag/beitraege/afd-brandenburg.html
[4] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1076876.anti-fluechtlings-demonstration-angriff-auf-journalisten-bei-rechter-demo-in-cottbus.html
[5] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-01/brandenburg-cottbus-fluechtlinge-aufnahme-stopp
[6] www.opferperspektive.de/aktuelles/rechte-gewalt-in-brandenburg-auf-unveraendert-hohem-stand
[7] http://www.cottbus-nazifrei.info/3-2-leben-ohne-hass/

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[BrandenburgAbend] „Die braune Saat“: Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus in der DDR – Vortrag mit Dr. Harry Waibel

09.11.2017 | 19:00 | Schreina47 (Schreinerstraße 47, Berlin)
FB: https://www.facebook.com/events/1613516648691101/

Auch in der SED-Diktatur bildeten Neonazis sowohl die Speerspitze als auch den Motor für eine sich dynamisch entwickelnde rechte Bewegung, die sich gegen die Existenz der kommunistischen Herrschaft richtete. Nahezu 10.000 antisemitische, rassistischen und neonazistische Propaganda- und Gewaltstraftaten sind belegt, wobei die Angriffe auf Kubaner, Vietnamesen, Afrikaner bzw. Muslime von besonderer Bedeutung sind, da sie das Gros der Opfer darstellen. In seiner Studie belegt Dr. Harry Waibel die Existenz einer Vielzahl verschiedener Neonazi-Gruppen, die von SchülerInnen, jungen ArbeiterInnen oder auch von SoldatInnen oder OffizierInnen der NVA gegründet wurden. Hier werden die Gründe beschrieben, wieso der Antifaschismus der SED die dynamisch sich entwickelnde rechtsextreme Bewegung nicht erkennen und stoppen konnte.

Dr. Harry Waibel ist ein deutscher Historiker und Autor. Seine Themenschwerpunkte sind Rechtsextremismus und Antisemitismus in der DDR sowie Rassismus in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart.

Der Abend findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Damals – Heute – Morgen“ anlässlich des 25. Todestages von Silvio Meier statt.

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Damals – Heute – Morgen: Veranstaltungsreihe anlässlich des 25. Todestages von Silvio Meier

Am 21. November 2017 jährt sich der Todestag von Silvio Meier zum 25. Mal. Er war Bürgerrechtler, Aktivist der „Offenen Arbeit“ in der DDR, Hausbesetzer und Antifaschist. Nach einer Auseinandersetzung mit einer Gruppe junger Neonazis wurde er am U-Bahnhof Samariterstraße von dem mutmaßlichen FAP-Mitglied Sandro S. mit mehreren Messerstichen erstochen. „Jetzt haben wir es euch gezeigt, ihr linken Säue!“, sollen die Neonazis bei der Auseinandersetzung gerufen haben.

Die Erinnerung an Silvio wird von Antifaschist*innen, Freund*innen und Wegbegleiter*innen jedes Jahr aufs Neue wach gehalten. Mit einer Plakette im U-Bahnhof Samariterstraße und einer nach ihm benannten Straße in unmittelbarer Nähe wird ihm über das tragische Ende seines Lebens hinaus im öffentlichen Raum gedacht. Und auch die traditionelle Demonstration in Gedenken an ihn konnte in der Vergangenheit alte und neue Kämpfe vereinen und auf die Straße bringen. Zu seinen Ehren verlieh der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg letztes Jahr zudem erstmals den Silvio-Meier-Preis an Menschen, Vereine, Initiativen und Projekte, die sich in herausragender Weise gegen Neonazismus, Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung einsetzen.

Silvio Meier ist ohne Frage eine der schillernsten Bezugspersonen des antifaschistischen Widerstands nach dem Mauerfall. Das Gedenken an ihn und die jährliche Demonstration gehören zum festen Termin des „Antifaschistischen Jahreskalenders“. So kraftvoll sie auch war und ist, hat sie über die Jahre immer mehr ihren Bezugspunkt verloren. Niemand kann wissen, wie gutes oder richtiges Gedenken aussehen soll. Trotzdem haben wir das Gefühl, dass es mehr geben muss, als mit einer jährlich stattfindenden, großen Demonstration so richtig auf den Putz zu hauen. Deshalb haben wir uns entschieden, eine Veranstaltungsreihe zu organisieren, die verschiedene historische Aspekte seiner Zeit thematisieren, aber gleichzeitig auch eine Brücke in die Gegenwart schlagen soll.

Dabei wollen wir explizit keinen Personenkult befeuern. Unsere Intention ist viel mehr, an das zu erinnern, wofür Silvio und viele andere unserer Auffassung nach standen und gekämpft haben. Es sind die rebellischen Freiräume, die schon in den letzten Jahren der DDR erkämpft wurden, die bis heute mehr als notwendig sind und verteidigt werden müssen. Es war und ist der alltägliche Kampf im wiedervereinigten Deutschland gegen Rassist*innen und Neonazis, die uns immer noch jeden Tag bedrohen.

Für uns ist die Zeit Ende der 1980er/ Anfang der 1990er Jahre der Beginn einer eigenständigen antifaschistischen Bewegung im Osten der Republik. Wir wollen herausfinden, wie die Verhältnisse damals waren, welche Nischen zur Selbstorganisation es in der DDR für Nichtangepasste gab und wie jene Hausprojekte entstanden, die bis heute noch erhalten geblieben sind. Und auf der anderen Seite wollen wir ergründen, wie die Antifa-Bewegung von damals dem brutal aufflammenden Nationalismus und Rassismus des wiedervereinten Deutschlands begegnete und welche Erfahrungen wir, die damals noch nicht aktiv waren, für die heutige und künftige politische Arbeit nutzen können.

Wir kannten Silvio Meier nicht. Daher wollen wir nicht anmaßen zu behaupten, wer er war und was er bewegt hat. Was wir aber machen können, ist, seine Geschichte zum Anlass zu nehmen, uns mit den Ereignissen seiner Zeit zu beschäftigen und diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die diese Zeit mit erlebt und geprägt haben. Wir möchten in den Austausch gehen und laden daher auch explizit alle damals Aktiven ein, ihre Erfahrungen von Anfang der 1990er-Jahre mit uns zu teilen.

Veranstaltende & unterstützende Gruppen:
Kollektiv der Villa Felix/Schreina47
Antifa goes Brandenburg [AGB]
Autonome Antifa Berlin [a2b]

Alle Infos unter: https://damalsheutemorgen.noblogs.org/

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Alle Veranstaltungen:

09.11.2017 | 19 Uhr | Schreina47
Vortrag “‘Die Braune Saat’: Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus in der DDR” mit dem Historiker Dr. Harry Waibel

13.11.2017 | 19 Uhr | K9
Lesung “30 Jahre Antifa in Ostdeutschland”

15.11.2017 | 19 Uhr | Schreina47
Vortrag “Freie Jugendbewegung in Ost-Berlin” mit dem Historiker Dr. Dirk Moldt und weiteren Zeitzeug*innen

19.11.2017 | 15 Uhr | Bersarinplatz / Ecke Rigaer Straße
Hist. Kiezspaziergang “Hippies, Punks & Bürgerrechtler. Mythen und Stereotype der Revolution von 1989”, anschließend ab 18 Uhr Filmvorführung in der Schreina47 zu Hausbesetzungen in Berlin nach 1990 mit Ak Kraak

21.11.2017 | 17 Uhr | U Samariterstraße
Mahnwache in Gedenken an Silvio Meier

22.11.2017 | 19 Uhr | Schreina47
Info-Veranstaltung “Die Besetzung der Schreiner 47” mit Zeitzeug*innen

25.11.2017 | 20 Uhr | Schreina47
Abschluss mit Liedermacher*innenabend

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Adressen:

Schreina47/Villa Felix: Schreinerstr. 47
K9: Kinzigstr. 9
10245 Berlin, U Samariterstraße

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Da­mals wie heute: Fa­schis­mus be­kämp­fen! An­tifa-Demo in Ge­den­ken an Erich Müh­sam

Antifaschistische Demonstration am 15. Juli in Oranienburg in Gedenken an Erich Mühsam
Am 10. Juli wurde der Schriftsteller Erich Mühsam im ersten Konzentrationslager in Oranienburg von SS-Wachmännern ermordet. Mit einer Gedenkdemonstration durch Oranienburg wollen wir an Mühsam als Menschen und an sein vielseitiges Wirken als Antifaschist, Anarchist und Freigeist erinnern. Um eine Brücke in die heutige Zeit zu schlagen wollen wir lokale Neonazi-Aktivitäten aufdecken, denn Anlass ist genug für eine befreite Gesellschaft ohne Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und weiterer menschenverachtender Ideologien auf die Straße zu gehen. Erich Mühsams wirken soll nicht vergessen sein – der Kampf geht weiter!

“Zweck meiner Kunst ist der gleiche, dem mein Leben gilt: Kampf! Revolution! Gleichheit! Freiheit!”
Revolutionär, Utopist, Freidenker, Anarchist, Antifaschist, Syndikalist. Erich Mühsam war Vieles. Sein Engagement für politische Gefangene, sein Einsatz gegen Militarismus und der revolutionäre Kampf für Freiheit und Gleichheit machte ihn einerseits zu einer bedeutenden widerständigen Figur seiner Zeit. Andererseits wurde Mühsam wegen seines politischen Einfluss zum gefürchteten Staatsfeind. Als Sohn eines jüdischen Apothekers, linker Intellektueller und Anarchist war er den Nazis schon vor ihrer Machtergreifung ein Dorn im Auge. Am 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, wurde Erich Mühsam als „politisch verdächtige Person“ verhaftet und in das Konzentrationslager Oranienburg inhaftiert. Am 10. Juli 1934 verkündete die nationalsozialistische Presse, dass Mühsam den Freitod gewählt und sich erhangen habe. Doch ein Suizid kam für ihn nicht in Frage: „Niemals werde er sich selbst töten“, hatte Erich Mühsam einem Mithäftling anvertraut. Er wurde im Zimmer des Lagerkommandanten ermordet und gilt als eines der ersten Opfer des NS-Terrorregimes. Auch nach 17 Monaten Folter gelang es den Nazis bis zuletzt nicht, seinen Willen zu brechen. Den Kampf gegen den Nationalsozialismus hatte er nie aufgegeben – sein Vermächtnis wollen wir weiterhin in unseren Herzen tragen.

Seit geraumer Zeit brodelt es in Oranienburg und Umgebung!
Oranienburg besitzt über Jahre hinweg eine starke, organisierte Neonazi-Szene. Federführend dabei ist die lokale NPD-Struktur mit dem Kreisverband Oberhavel, der als einer der aktivsten Verbände des Landes gilt. Obwohl bundesweit als „tot-gesagt“ besitzt die NPD in Oberhavel mit neun Sitzen in den Stadt- und Gemeindevertretungen die höchste kommunale Verankerung. Dies macht sich nicht nur in den Parlamenten bemerkbar. Gezielt reihen sich NPD-AktivistInnen in die lokalen Vereine ein, mit dem Ziel, eine breiten gesellschaftlichen Akzeptanz für ihre völkisch-nationalistische Ideologie von unten zu etablieren. So verwundert es nicht, dass die NPD es geschafft hat sich unbemerkt unter den Tarnnamen „Projekt Habula – Furor Teutonicus“ auf das örtliche Stadtfest Mitte Juni dieses Jahres zu schleichen und als Mannschaft an dem Drachenbootrennen teilzunehmen. In Hinblick auf die Bundestags- und Bürgermeisterwahlen im September 2017 hatte die Tourismus und Kultur GMBH Oranienburg (TKO) erstmals das Verbot politischer Parteien auf dem Fest verhängt. In einem Statement gegenüber der Presse sah man den Antritt der NPD bei dem Drachenbootrennen ohne Sorge. Denn die Partei hatte es verzichtet mit politischen Inhalten auf dem Fest aufzutreten. (1 & 2). Doch die bloße Präsenz der Mannschaft und ihrer Besatzung ist bereits ein Politikum. Denn in dem Boot befanden sich nicht nur NPD-Politiker wie der Veltener Stadtverordnete Robert Wolinski, sondern auch weitere Neonazi-Aktivisten der Rechtsaußenpartei, sowie ihrer Jugendorganisation, der Jungen Nationaldemokraten (JN). Auch der Name der Mannschaft verrät eindeutig die Gesinnung der Insassen. „Furor Teutonicus“ bedeutet aus dem römischen „Germanische Angriffslust“ und war das Motto eines RechtsRock-Konzerts der „Märkischen Skinheads 88“ (MS88) in März. Bei den MS88 handelt es sich um ein RechtsRock-Veranstaltungslabel, bei den Wolinski eine Schlüsselfigur darstellt. Die MS88 organisieren bundesweit RechtsRock-Konzerte mit namhaften Bands, die nicht nur Verbindungen zu den in der Bundesrepublik verbotenen „Blood&Honour“-Strukturen und Rocker-ähnlich organisierten „Hammerskins“ aufweisen, sondern auch dem NSU-Umfeld zugerechnet werden. (3)

Erinnern heißt Kämpfen!
Heute, 83 Jahre nach seiner Ermordung, droht Erich Mühsams Wirken in Vergessenheit zu geraten. Auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei, auf dem das erste Konzentrationslager in Oranienburg entstand, steht eine Lidl-Filiale. Nur die Außenmauer des Geländes und eine Gedenkstein erinnern an den Ort, an dem nicht nur Erich Mühsam brutal aus dem Leben gerissen wurden. Die Verbrechen der Nazis sind Geschichte? Manch ein/e wünsche sich den Schlussstrich, eine Vergessen oder ein Verzeihen. Doch solange rechtspopulistische und extrem rechte Parteien wie die Alternative für Deutschland (AfD) immer größeren Zuspruch ernten, solange Flüchtlingsheime brennen und die Zahl rassistischer und antisemitischer Übergriffe in die Höhe implodiert, solange der NSU mithilfe Umfeld unter den Augen des Verfassungsschutzes und anderer Behörden jahrelang scheinbar „unbemerkt“ durch das Land ziehen konnte und zehn Menschen ermordete, gibt es Nichts zu vergessen und Nichts zu verzeihen!

Wir rufen auf am 15. Juli in Oranienburg auf die Straße zu gehen um das Vermächtnis von Erich Mühsam in die Köpfe zu tragen. Die gegenwärtige Situation macht es uns deutlich, dass der Kampf gegen den Faschismus heute so notwendig ist wie eh und je. Gesellschaftliche Verhältnisse zu benennen, neonazistische Zusammenhänge zu beleuchten und eine antifaschistische Widerstandskultur zu etablieren ist unser Ziel.

Denn Erinnern heißt für uns auch kämpfen – daher: damals wie heute, Faschismus bekämpfen!

Antifaschistische Gedenkdemonstration:
15. Juli 2017 | 13 Uhr | S-Bhf. Oranienburg

Gemeinsame Anreise aus Berlin:
12:00 S Gesundbrunnen | Gleis 4 | Abfahrt 12:19

Kontakt: antifaoranienburg [ät] riseup.net

Einzelnachweise:
(1) http://www.maz-online.de/Lokales/Oberhavel/Gewaltandrohung-und-geloescht…
(2) http://www.moz.de/landkreise/oberhavel/oranienburg/oranienburg-artikel/d…
(3) https://www.inforiot.de/ms88-will-konzert-in-mitteldeutschland-veranstal…

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[BrandenburgAbend] Vortrag: „Die Geschichte des Plattenbaus“

03.07.2017 | 20:00 | Schreina47 (Schreinerstraße 47, Berlin)
FB: https://www.facebook.com/events/1423402167726632/

Plattenbauten – früher standen sie für „sozialistischen Fortschritt“ und heute für prekäre Lebensverhältnisse. Doch was ist dran am Mythos der “Arbeiter- und Bauernschließfächer”? Die Errichtung von Plattenbautypen wie P2 und WBS70 waren in der DDR die Antwort auf die Wohnungsfrage. Wir wollen uns auf die Suche nach den Ursprüngen dieser Bauform machen und der Frage nachgehen, welche Rolle sie für den DDR-Städtebau und linke Kulturgeschichte bis 1990 und danach gespielt hat.

Zusätzlich dazu gibt es eine Soli-Tombola. Für das leibliche Wohl ist wie immer nach Brandenburger Art gesorgt.

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[BrandenburgAbend] Infoveranstaltung zu Refugee-LGBTIQ*-Conference und Emil Wendland Kampagne

08.06.2017 | 20:00 | Schreina47 (Schreinerstraße 47, Berlin)
FB: https://www.facebook.com/events/171964413333690

Im Rahmen des BrandenburgAbend wird es zwei Mobi-Inputs geben zur Refugee-LGBTIQ*-Conference in Brandenburg/Havel und der Emil Wendland Kampagne in Neuruppin.

Vom 09. bis 11. Juni findet in Brandenburg/Havel zum zweiten Mal die „Refugee-LGBTIQ*-Conference“ für LGBTIQ*-Geflüchtete und Unterstützer_innen statt. Mit diversen Workshops, Raum für Austausch und einer Gay-Pride Demonstration am 11.Juni soll durch die Konferenz eine öffentliche Aufmerksamkeit für die Lage der LGBTIQ*-Geflüchteten in Deutschland geschaffen werden. Auf der Infoveranstaltung wollen wir euch über die Konferenz informieren und über Homo- und Transsexualität als Fluchtgrund reden. Es werden LGBTIQ*-Geflüchtete über ihre Erfahrungen in ihren Herkunftsländern und den Lagern in Deutschland, sowie über die Notwendigkeit einer bundesweiten Vernetzung und die damit einhergehende Organisierung einer Refugee-LGBTIQ*-Conference sprechen. Die Veranstaltung findet in Englischer und Deutscher Sprache statt. (ENGLISH VERSION BELOW)

Emil Wendland wurde vor 25 Jahren von Neonazis ermordet in Neuruppin. In Gedenken an ihn und alle Opfer rechter Gewalt wird es am 01. Juli 2017 eine Gedenkdemonstration in Neuruppin stattfinden. Zum Stand der Kampagne wird es einen kleinen Überblick geben.

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[B] Because love has no borders. Mobi zur Refugee-LGBTIQ*-Conference in Brandenburg/Havel

Vom 09. bis 11. Juni findet in Brandenburg/Havel zum zweiten Mal die „Refugee-LGBTIQ*-Conference“ für LGBTIQ*-Geflüchtete und Unterstützer_innen statt. Mit diversen Workshops, Raum für Austausch und einer Gay-Pride Demonstration am 11.Juni soll durch die Konferenz eine öffentliche Aufmerksamkeit für die Lage der LGBTIQ*-Geflüchteten in Deutschland geschaffen werden. In Vorbereitung auf den Kongress und die Gay-Pride wird es in Berlin eine kleine Infotour und eine gemeinsame Anreise geben.

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[BrandenburgAbend] Buch-Release und Lesung: „30 Jahre Antifa in Ostdeutschland“

11.05.2017 | 20:00 | Schreina47 (Schreinerstraße 47, Berlin)
FB: https://www.facebook.com/events/210626719432203

Buch-Release: “30 Jahre Antifa in Ostdeutschland” mit den Herausgeber_innen Christin Jänicke und Benjamin Paul-Siewert.

Der staatliche und gesellschaftliche Umbruch 1989/90 war ein Markstein für die heutige Antifa-Bewegung. Unter der Annahme einer gemeinsamen widerständigen Geschichte wurde in bisherigen Rückschauen allerdings nur wenig beachtet, dass in Ostdeutschland eine eigenständige Bewegung entstand, die bereits in der ausgehenden DDR ihren Anfang nahm und ein eigenes Profil entwickelte. 30 Jahre nach Gründung der ersten unabhängigen Antifa-Gruppen in der DDR bündelt dieser Band nun erstmals sozial-, kultur- und geschichtswissenschaftliche Analysen.

Für das leibliche Wohl ist wie immer nach Brandenburger Art gesorgt.

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Frühlings- und Sommerprogramm beim BrandenburgAbend

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20. April _ Antifa-Demo in Nauen: Gegen Naziterror und Opferkult!

Am 20. April empfehlen wir alle Antifaschist_innen, die sich für das Backyard interessieren, einen Ausritt nach Nauen zu machen. Denn im August 2015 hat Nauen gezeigt, wohin rassistische Hetze führt: die Turnhalle, in der Geflüchtete untergebracht werden sollten, wurde von den NPD-Kader Maik Schneider und weiterer Neonazis in Brand gesetzt. Der Brandanschlag war der Höhepunkt einer rassistischen Hetze und Welle von Angriffen auf die örtlichen politischen Verantwortlichen und die wenigen Engagierten der Zivilgesellschaft.

„Wo Turnhallen brennen, brennen am Ende Menschen“ lautet der Aufruf gegen das diesjährliche Nazi-Gedenken an die Bombardierung Nauens, welches durch die Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland (FKNRP) veranstaltet wird. Ganz zufällig an Führers Geburtstag – jedes Jahr.

Treffpunkt:
20.04.17 | 17:30 Uhr | Bhf. Nauen

Anreise aus Berlin:
Alexanderplatz | 16:10 | Abfahrt: 16:22 | Gleis 4 (S Bahn)
Zoologischer Garten | 16:20 | Abfahrt: 16:35 | Gleis 6 (S Bahn)

Kurzaufruf:
Seit Jahren wird Nauen am 20. April von Nazis unter dem Deckmantel des Gedenkens als Bühne für ihre revisionistische und menschenfeindliche Ideologie benutzt. Eine zahlreiche Mobilisierung in die Kleinstadt scheiterte; ein entschlossener antifaschistischer Widerstand blieb jahrelang aus. Seit der neonazistischen Terrorserie im Jahr 2015 ist Nauen aber auch zu einem Symbol für die wachsende rassistische Gewalt in Deutschland geworden. Heute sind trotz Urteil nicht alle Taten aufgeklärt, das Umfeld der Gruppe bleibt, eine echte Aufarbeitung in der Stadtgesellschaft blieb aus und Nazis leben weiter ungestört.Das alles können und wollen wir nicht hinnehmen! Keine Straßen, keine Plätze, keine Stadt den Nazis! Für eine echte Auseinandersetzung mit dem Rassismus der Mitte!

Deshalb sagt euren Freund*innen Bescheid, traut euch heraus aus dem C-Bereich, kommt am 20. April nach Nauen!

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